Wörwag Pharma

Medicina, Investigación, Tecnología

Warum Sind Medikamente Nicht Lieferbar?

Warum Sind Medikamente Nicht Lieferbar
Wissenswertes über Medikamentenknappheit Wie entstehen Lieferengpässe bei Medikamenten? Viele Lieferengpässe sind eine negative Folge der Globalisierung. Aus Kostengründen produzieren die meisten Arzneimittelhersteller nicht mehr in Europa, sondern fast nur noch in Asien (vor allem in China und Indien).

  • Oft wird ein Wirkstoff auch nur noch an einem oder zwei Standorten weltweit produziert.
  • Ein Produktionsausfall an diesem Standort – beispielsweise aufgrund eines nicht verfügbaren Rohstoffes oder Verpackungsbestandteils, eines „Lockdowns» (davon war z.B.
  • Der größte Containerhafen der Welt in Shanghai monatelang betroffen) oder einer technischen Störung – kann schnell zu weltweiten Lieferschwierigkeiten führen.

Dasselbe gilt für die Lagerung, die zunehmend an wenigen Standorten der Hersteller im Ausland und nicht mehr in Österreich (oder anderen EU-Ländern) erfolgt. Sind Lieferengpässe bei Medikamenten und Medizinprodukten ein neues Problem? Lieferengpässe treten leider seit Jahren immer wieder auf – sehr zum Ärger von Patient:innen, Kund:innen und Apotheker:innen.

Sie sind auch nicht auf Österreich beschränkt, sondern ein globales Problem. Eine Rolle spielen hierzulande jedoch die vergleichsweise niedrigen Arzneimittelpreise, die den österreichischen Markt für Hersteller teilweise unattraktiv machen. Eine Folge: Andere Länder mit höherem Preisniveau wie Deutschland oder die Schweiz werden bei der Belieferung mit Arzneimitteln priorisiert.

Ist die Situation im Moment besonders schlimm? Im Moment ist das Thema Medikamentenknappheit medial sehr präsent. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 waren zwischenzeitlich mehr als doppelt so viele Medikamente nicht lieferbar, damals hat jedoch die Corona-Pandemie die Schlagzeilen dominiert.

  1. Nach zwei Jahren mit umfassenden Hygienemaßnahmen und wenigen Kontakten werden derzeit Erkältungen und andere Infekte „nachgeholt» – vor allem bei Kindern.
  2. Dies führt zu einem erhöhten Bedarf an Medikamenten, die in den letzten beiden Jahren weniger gefragt waren.
  3. Welche Medikamente sind derzeit knapp? Das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) führt eine, in der nicht oder nur eingeschränkt verfügbare Medikamente erfasst sind.

Die Hersteller sind zur Meldung verpflichtet. Von rund 16.800 in Österreich zugelassenen oder registrierten Humanarzneispezialitäten finden sich aktuell rund 550 auf der Liste. Die Zusammensetzung dieser Liste unterliegt erheblichen Schwankungen, u.a. aufgrund von saisonalen Gegebenheiten.

Derzeit finden sich darauf vermehrt Medikamente, die gegen Atemwegserkrankungen und andere Infekte eingesetzt werden, darunter auch häufig verwendete Antibiotika wie Amoxicillin. Haben Apotheken einen Einfluss auf die Lieferbarkeit von Medikamenten? Nein. Apotheken sind das letzte Glied in der Kette, bevor die Bevölkerung versorgt wird.

Auf die Produktion, Lagerung, Distribution und Lieferung der Medikamente haben Apotheker:innen keinen Einfluss.Sie werden mehrmals täglich, je nach Bedarf, vom pharmazeutischen Großhandel beliefert. Hat dieser keine Ware mehr, weil z.B. ein Hersteller nicht produzieren oder nachliefern kann, gelangt das betreffende Medikament auch nicht in die Apotheke.

  1. Im Schnitt hat eine Apotheke rund 6000 unterschiedliche Medikamente auf Lager.
  2. Was bedeuten Lieferengpässe für Apotheken? Für Apotheker:innen bedeuten Lieferengpässe in erster Linie einen erheblichen Mehraufwand.
  3. Rund zwei Stunden pro Tag investiert jede Apotheke im Schnitt in die aufwendige Suche nach gleichwertigen Lösungen.

Die Apotheker:innen geben sich viel Mühe, damit aus Lieferengpässen keine Versorgungsengpässe werden. In rund 95 Prozent der Fälle gelingt es den Apotheker:innen, vor Ort in der Apotheke eine Lösung für das Anliegen der/des Patient:in/Kund:in zu finden.

  1. In den übrigen Fällen wird gemeinsam mit dem behandelnden Arzt weiter nach einer Lösung gesucht.
  2. Was tun Apotheker:innen, wenn ein Medikament nicht verfügbar ist? Im Idealfall steht ein wirkstoffgleiches Medikament (Generikum) zur Verfügung, auf das man ausweichen kann.
  3. Eine weitere Möglichkeit ist, das Arzneimittel in einer anderen Apotheke oder im Ausland zu beschaffen.

Sehr aufwendig und mitunter nicht einmal kostendeckend ist die magistrale Zubereitung im apothekeneigenen Labor. Letztes ist aber nicht für alle Arzneimittel möglich. Wie lassen sich Lieferengpässe langfristig vermeiden? Die Apothekerkammer spricht sich klar dafür aus, wieder verstärkt Arzneimittel und Medizinprodukte in Europa herzustellen, um die Abhängigkeiten in der Arzneimittelproduktion vom asiatischen Raum zu minimieren und die Produktion flexibler auf den Bedarf hierzulande anpassen zu können – gerade bei so wichtigen Medikamenten wie Antibiotika.

Warum sind Medikamente zur Zeit nicht lieferbar?

Lieferengpässe von Arzneimitteln: Herausforderungen bei Lieferketten und Abhängigkeit von wenigen Herstellern Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte meldet derzeit mehr als 300 Lieferengpässe bei Medikamenten. Ursachen sind Lieferkettenprobleme, Inflation, Rohstoffmangel – und dass viele Pharmafirmen ihre Wirkstoffproduktion nach Asien verlagert haben. Warum Sind Medikamente Nicht Lieferbar Apotheken unter Druck: Momentan sind Paracetamol- und Ibuprofen-haltige Fiebersäfte für Kinder nur eingeschränkt verfügbar Foto: Marko Geber / Getty Images Nahezu täglich gehen derzeit Warnmeldungen aus der deutschen Pharmaindustrie beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein.

Diverse Hersteller melden, dass sie Medikamente von nun an erstmal nicht mehr wie üblich liefern können. Allein in dieser Woche: Am Montag meldete die Firma Mibe wegen unzureichender Produktionskapazitäten einen Engpass bei einem Notfall- und Schockmedikament; am Dienstag verkündete ITM Medical Isotopes aus München Lieferschwierigkeiten bei einem Tumormarker; am Mittwoch meldete Mundipharma die sonst übliche Verfügbarkeit eines starken Schmerzmittels bis Ende Januar ab.

Hinzu kommen täglich mehrere «Änderungsmeldungen», mit denen einzelne Hersteller die bereits gemeldeten Lieferengpässe bestimmter Medikamente verlängern. Insgesamt stehen auf der aktuell mehr als 300 Arzneimittel – und zwar nicht nur teure Spezialmedikamente.

Das ist zwar nur ein Bruchteil der rund 100.000 zugelassenen Arzneimittel in und die Behörde sieht auch «keine Hinweise auf eine generelle akute Verschlechterung der Versorgungslage in Deutschland». Allerdings: Wenn bei einem versorgungsrelevanten Arzneimittel ein Lieferengpass entsteht und keine alternativen Medikamente zur Verfügung stehen, kann das spürbare Folgen haben.

Lieferengpässe: Warum sind so viele Medikamente nicht lieferbar? | Visite | NDR

«Die Lage ist schlimm», sagte Thomas Preis, der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, gegenüber der dpa. So etwas habe er in über 30 Berufsjahren nicht erlebt. Die Probleme beschäftigen die Branche schon lange. Erst Anfang dieses Jahres sah es kritisch bei tamoxifenhaltigen Arzneimitteln aus.

Der Wirkstoff wird zu Behandlung von Brustkrebspatienten eingesetzt. Das BfArM schlug Alarm, das Bundesministerium für Gesundheit unter Karl Lauterbach (59; SPD) stellte daraufhin im Februar einen Versorgungsmangel fest und erlaubte unter anderem Importe aus der und dem Vereinigten Königreich. Als Ursache erkannte das Ministerium den Produktionsausfall eines Herstellers, dieser konnte kurzfristig nicht von anderen Anbietern kompensiert werden.

Zulieferer hatten sich laut dem Verband Pro Generika zuvor aus wirtschaftlichen Gründen aus der Produktion zurückgezogen. Mittlerweile schätzt man im Ministerium die Lage zwar wieder als stabil ein, der Versorgungsmangel liegt aber offiziell weiter vor.

Momentan sind Paracetamol- und Ibuprofen-haltige Fiebersäfte für Kinder nur eingeschränkt verfügbar – auch wenn das Ministerium betont, dass es sich bei den derzeitigen Einschränkungen nicht um einen Lieferabriss handelt. Besonders Generika, also patentfreie Arzneimittel, sind von den Lieferengpässen betroffen.

In der Liste der Lieferengpässe befinden sich unter anderem Antibiotika, Insuline sowie Krebstherapiemittel. Außerdem in der Aufstellung zu finden: Actilyse mit dem Wirkstoff Alteplase, das weltweit einzige Medikament zur Akutbehandlung eines Schlaganfalls.

  1. Das BfArM unterscheidet bei den Meldungen zwischen versorgungsrelevanten und versorgungskritischen Wirkstoffen,
  2. Bei letzteren ist schon einmal ein Versorgungsmangel eingetreten.
  3. Laut dpa gibt es derzeit rund zehn Meldungen zu versorgungskritischen Wirkstoffen, zu denen auch Alteplase gehört.
  4. Die Gründe für die Lieferengpässe sind vielfältig.

«Der Kostendruck im Gesundheitswesen insgesamt ist das Hauptproblem», heißt es bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Ähnlich sieht es der Verband ProGenerika, der die Generika- und Biosimilarunternehmen in Deutschland vertritt.

  • Eine Sprecherin betont vor allem den wirtschaftlichen Druck: Der Anteil den Generika-Hersteller für ihre Arzneimittel erhalten, sinke seit Jahren.
  • Das hat zur Folge, dass die Produktion vieler Generika für die Hersteller nicht mehr wirtschaftlich ist.
  • Immer mehr Unternehmen haben sich deshalb aus der Versorgung zurückgezogen.» Das ist besonders spürbar, wenn – wie aktuell etwa durch die Inflation – die Kosten steigen.

Hubertus Cranz, der Geschäftsführer vom Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BDA), verweist auf gestiegene Kosten für Energie, Verpackungsmaterialien, Logistik sowie Wirk- und Hilfsstoffe hinzu, die die Hersteller sehr belasten. Gerade Verpackungen sind aktuell überall knapp, Papier, Glas, bestimmte Kunststoffe entsprechend teurer – oder gar nicht verfügbar.

  • Anders als in anderen Branchen können Arzneimittelhersteller nicht einfach die Preise erhöhen.
  • Gesetzliche Preisregulierungen, etwa durch Festbeträge oder Rabattverträge mit den Krankenkassen würden die Flexibilität einschränken.
  • Im Gegensatz zu anderen Branchen können gestiegene Herstellungskosten nicht oder nur teilweise kompensiert werden», sagt Cranz.
See also:  Warum Kein Ibuprofen Bei Herzerkrankung?

Hinzu kommt: Viele Hersteller beziehen ihre Inhalts- und Wirkstoffe aus Kostengründen mittlerweile zu großen Teilen aus oder, Laut einer Studie vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) ist Asien der wichtigste Produktionsstandort für Wirkstoffe, die für den europäischen Raum bestimmt sind.

  1. Das erhöht in Zeiten angespannter Lieferketten die Risiken.
  2. Und neben Lieferproblemen komme es mitunter auch zu Qualitätsproblemen, sagt ein Sprecher der Apothekenlobby: «Wenn eine Charge in einer Fabrik in Fernost den europäischen Standards nicht entspricht und deshalb nicht freigegeben werden kann, kann viel Zeit vergehen, bis die nächste Charge fertig produziert ist.» Beim Apothekerverband ABDA warnt man vor Abhängigkeiten.

Es gebe eine Monopolisierung auf dem Markt: «Viele Hersteller sind mitunter abhängig von nur einem oder sehr wenigen Wirkstofflieferanten», heißt es. Fällt dann genau dieser eine Lieferant aus oder hat Probleme in der Produktion, kann das zu Engpässen führen – mit Folgen für Patienten und Patientinnen.

Werden in Deutschland noch Medikamente hergestellt?

Gnadenloser Wettbewerb – Der Inhalt vieler Medikamente in deutschen Apotheken kommt mittlerweile aus Indien und China und oft sogar aus ein und demselben Werk. Die asiatischen Fabriken sind quasi die Zulieferer der großen, bekannten Unternehmen wie Hexal, ratiopharm oder Stada.

Sie verkaufen unter ihrem jeweiligen Markennamen Medikamente, die oft denselben Wirkstoff aus derselben Fabrik enthalten. Bei Antibiotika etwa werden in China oft die Grundsubstanzen hergestellt, in Indien weiterverarbeitet und dann in die gesamte Welt exportiert. In Deutschland werden die Mittel dann am Schluss kontrolliert.

Der entscheidende Grund für dieses Vorgehen ist der Preis, Der globale Verdrängungswettbewerb ist gnadenlos. Wer am billigsten anbietet, gewinnt. Alle anderen gehen leer aus – etwa beim Abschluss von Verträgen mit Kliniken oder Krankenkassen. Denn diese sind dazu angehalten, auf die «Wirtschaftlichkeit» zu achten, also günstig einzukaufen.

Welche Medikamente könnten knapp werden?

Welche Medikamente sind gerade knapp? – Schwer oder gar nicht zu bekommen sind aktuell Schmerzmittel und Antibiotika, genau so wie Mittel zur Behandlung von Diabetes und Hautkrankheiten. Auch Blutdrucksenker und Fiebersäfte sind Mangelware. „Manche fehlen seit Monaten, andere nur zwei Wochen», erklärt Mathias Arnold, Vizechef des Apothekerverbands „T-Online»,

Wie lange noch medikamentenmangel?

Medikamentenmangel : »Damit löschen wir nur einzelne Feuerherde, nicht den Flächenbrand« – Rund 490 Medikamente haben derzeit einen Lieferengpass in Deutschland. »Wir dürfen uns nicht ans Improvisieren gewöhnen«, erklärt Reinhard Strametz. Der Experte für Patientensicherheit spricht im Interview über resiliente Lieferketten, Hamsterkäufe und welche Ideen es gibt, das systemische Problem zu beheben. Warum Sind Medikamente Nicht Lieferbar © D-Keine / Getty Images / iStock (Ausschnitt) Die Zahl der gemeldeten Medikamente mit Lieferengpässen ist im Mai 2023 fast doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor (Symbolfoto). Der Mangel an Arzneimitteln in Deutschland ist gravierender als jemals zuvor. Erst Ende April schrieb der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in einem offenen Brief: »Die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen ist durch den Medikamentenmangel europaweit gefährdet.« Doch nicht nur die Jüngeren sind betroffen.

  1. Ein Blick auf die Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zeigt, dass derzeit für rund 490 Arzneimittel Lieferengpässe bestehen (Stand: 25.5.2023).
  2. Reinhard Strametz, Professor für Patientensicherheit an der Hochschule RheinMain, spricht im Interview mit »Spektrum.de« darüber, wie man Lieferketten stärken könnte, warum er teils Verständnis für Hamsterkäufe hat und worin er einen klaren Auftrag an die Politik sieht.

»Spektrum.de«: Herr Strametz, aktuell gibt es laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte für 495 Medikamente Lieferengpässe in Deutschland, vor einem Jahr waren es nur 270 (Stand: 25.5.2023). Warum schaffen wir es nicht, den Mangel – der ja bereits seit etlichen Jahren besteht – zu beheben? Ganz im Gegenteil, die Lage spitzte sich in den vergangenen Monaten stark zu.

  1. Reinhard Strametz : Es gibt strukturelle Probleme auf mehreren Ebenen, die dazu führen.
  2. Erstens: Für verschiedene Wirkstoffe gibt es nur noch wenige Hersteller, oft in China oder Indien.
  3. Wenn dann ein Produzent wegbricht, weil es in der Fabrik brennt oder die Qualität der Rohstoffe nicht stimmt, setzt das einen Dominoeffekt in Gang, so dass gleich mehrere Medikamente fehlen.

Der zweite Faktor ist, dass das gesamte System auf Kante genäht ist, mit einer Just-in-time-Produktion und -Lieferung. Das geht so lange gut, bis die Nachfrage schlagartig steigt, zum Beispiel wegen einer Pandemie oder weil eine Lieferkette zusammenbricht, wenn etwa ein Schiff im Sueskanal feststeckt.

Zudem fehlt eine vorausschauende Bevorratung an Arzneimitteln. Betriebswirtschaftlich betrachtet sollten Waren immer möglichst kurz lagern, denn Lagerflächen sind teuer. Aber wenn es um lebenswichtige Medikamente geht, dürfen wir nicht rein betriebswirtschaftlich denken. Wir sind an dem Punkt angekommen, an dem wir merken, dass wir es mit der Ökonomisierung übertrieben haben.

Wir müssen Kapazitäten kurzfristig hochfahren können, und dafür braucht es die entsprechende Infrastruktur. Das ist eine politische Entscheidung. Gibt es noch weitere Ursachen für den Medikamentenmangel? Ja, im Gegensatz zum zuletzt genannten Punkt greifen auch Regulationsmechanismen des freien Marktes.

  • Als Hersteller beliefere ich natürlich am liebsten diejenigen, die am meisten zahlen.
  • In Deutschland sind wegen der Rabattverträge mit den Krankenkassen (siehe Infokasten; Anm.d.
  • Red.) bestimmte Medikamente preislich fixiert, und deshalb der deutsche Markt für einige pharmazeutische Produzenten uninteressant.

Und ein letzter Aspekt: Pharmaunternehmen entscheiden sich ganz bewusst dafür, bestimmte Medikamente gar nicht mehr herzustellen, weil sie sich finanziell nicht lohnen. Das geschieht zum Beispiel, wenn der Patentschutz ausläuft und Generika auf den Markt kommen.

Füllt kein anderer Hersteller diese Lücke, brechen auch hier Medikamente weg. Diese Faktoren – einzeln oder in Kombination – führen dazu, dass permanent eine dreistellige Zahl an Medikamenten und Wirkstoffen nicht lieferbar ist. Verschärfend kommt hinzu, dass seit Mai 2023 – im Rahmen des Gesetzes zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen – Hersteller von Arzneimitteln den Krankenkassen weitere Rabatte einräumen müssen.

Das betrifft auch Wirkstoffe, die bei Krebs, Hepatitis C oder einer Infektion mit HIV eingesetzt werden. Schrecken solche Rabattpflichten nicht weitere Hersteller ab, die knappe Medikamente dann lieber in andere Länder verkaufen? Nun, auf der einen Seite muss man sagen, dass dies hochpreisige Medikamente betrifft, die sich für den Hersteller bereits mehrfach amortisiert haben.

  1. Der Gesetzgeber unterbindet mit diesem Gesetz Preisdiktate.
  2. Die Pharmakonzerne machen ja trotzdem hohe Gewinne.
  3. Auf der anderen Seite müssen wir die Versorgungssicherheit gewährleisten, damit dieser Konflikt nicht auf dem Rücken derer ausgetragen wird, die auf eine bestimmte Behandlung angewiesen sind.

Denkbar wäre, die Hersteller zu verpflichten, eine ausreichende Produktionsmenge vorrätig zu halten, damit sie mehrere Länder beliefern können. Außerdem lohnt sich eventuell ein Blick zu unseren europäischen Nachbarn. Die aber ebenfalls stöhnen, denn der Medikamentenmangel ist kein rein deutsches Problem.

Lieferengpässe haben sich in der EU zwischen 2000 und 2018 verzwanzigfacht, Gehen andere Länder denn besser mit der Krise um? Es gibt kein Musterland, das alles perfekt macht. Aber jedes Land hat seine eigene Arzneimittelgesetzgebung. Mit dem AMNOG (Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz, nach dem sich jedes neue Medikament einer Kosten-Nutzen-Analyse unterziehen muss; Anm.d.

Red.) reguliert Deutschland die Preise der Medikamente anders als etwa Frankreich oder Österreich. Würden wir uns mit unseren europäischen Nachbarn abstimmen, könnten wir auch nicht so leicht gegeneinander ausgespielt werden. Eine europäische Lösung soll unter anderem das von der EU ins Leben gerufene EU4Health-Programm liefern.

  • Die EU schlägt vor, die Abhängigkeit von Importen von Arzneimitteln und pharmazeutischen Wirkstoffen aus Drittländern zu verringern.
  • Ist das ein erster Ansatz? »Die Preisschraube wurde hier so weit gedreht, dass nur ein Hersteller an einem einzigen Ort zu prekären Arbeitsbedingungen diesen Wirkstoff für den deutschen Markt produziert« Absolut.

Wir sind ja auch in einer politischen Abhängigkeit von Zuliefererländern. Was ist, wenn bei einer geopolitischen Krise China oder Indien sich eines Tages entscheiden, gar keine Arzneistoffe mehr nach Europa zu exportieren? Es ist im Zweifelsfall einfacher, ein Medikament aus Portugal, Rumänien oder Bulgarien nach Deutschland zu holen als aus einer chinesischen Provinz.

  1. Das heißt nicht, dass wir auf Importe aus Indien und China komplett verzichten könnten, denn dafür fehlen Europa die Produktionskapazitäten.
  2. Zunächst müssten wir Produktionsstandorte reaktivieren und entsprechend Fachkräfte finden.
  3. Das allein wird Jahre dauern und nur einen Teil der benötigten Medikamente abdecken können.

Ziel muss es sein, das System auf mehrere Säulen zu verteilen. Wir müssen Transportketten resilienter machen. In der Corona-Pandemie haben wir eindrucksvoll bewiesen, dass wir in einer vertretbaren Zeit die Impfstoffproduktion hochfahren können. Diesen Schwung müssen wir nutzen, und der bringt uns ja auch in eine gute Verhandlungsposition.

  • Was geschieht, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, sehen wir gerade: Im Jahr 2023 ist ein Allerweltswirkstoff wie Paracetamol knapp.
  • Das ist ein Cent-Artikel.
  • Die Preisschraube wurde hier so weit gedreht, dass nur ein Hersteller an einem einzigen Ort zu prekären Arbeitsbedingungen diesen Wirkstoff für den deutschen Markt produziert.
See also:  Wie Schnell Wirkt Ibuprofen Pulver?

Das ist eine sehr fragile Situation. Daran ist nichts schicksalhaft, das ist ein vermeidbarer Zustand. © Fotostudio Hoffmann, Frankfurt (Ausschnitt) Reinhard Strametz | Der Professor für Patientensicherheit an der Hochschule RheinMain im Studiengang Gesundheitsökonomie und Leiter des Wiesbaden Institute for Healthcare Economics and Patient Safety forscht unter anderem zu klinischem Risikomanagement inklusive der Betrachtung von Lieferketten sowie zum Second-Victim-Phänomen.

  • Im April 2023 hat das Bundesgesundheitsministerium einen Versorgungsmangel mit antibiotikahaltigen Säften für Kinder in Deutschland erklärt.
  • Nun können die Bundesländer Antibiotika etwa aus dem Ausland importieren sowie abgelaufene oder zurückgehaltene Arzneimittel-Chargen nutzen,
  • Letzteres kann der Fall sein, wenn eine Packungsbeilage nicht aktuell ist, weil zum Beispiel eine neu beobachtete Nebenwirkung nachgetragen werden muss.

Wie sicher sind diese Medikamente? Zunächst einmal macht es einen Unterschied, welcher der Punkte zutrifft. Eine fehlende oder unvollständige Packungsbeilage kann der Hersteller schnell digital nachreichen. Bei abgelaufenen Medikamenten wird es kritischer.

Natürlich sind Wirkstoffe nicht einen Tag nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums unbrauchbar. Einige Wirkstoffe kann man bei sachgemäßer Lagerung bedenkenlos auch Monate, manche sogar Jahre später einnehmen, weil die Substanz stabil ist. Andere Wirkstoffe zerfallen mit der Zeit. Man müsste die Arzneien dann höher dosieren, um die gleiche therapeutische Wirkung zu erreichen.

Das kann sehr riskant sein. Das müssen Fachleute von Fall zu Fall entscheiden. Bayern und einige andere Bundesländer kündigten an, Medikamente einzuführen, die in Deutschland nicht zugelassen oder registriert sind. Ist das für Patientinnen und Patienten gefährlich? In der jetzigen Situation ist es nachvollziehbar, dass manche Bundesländer so reagieren.

Was sollen sie auch anderes machen? Wir haben in Deutschland hohe Qualitätsstandards für Medikamente, und das ist auch gut so. Aber nur weil ein Wirkstoff in Deutschland keine Zulassung für eine bestimmte Erkrankung hat, heißt es nicht, dass sein Einsatz riskant ist. Mediziner arbeiten schon lange mit so genanntem Off-Label-Use.

Sie setzen Medikamente bei Erkrankungen ein, für die sie bislang nicht zugelassen sind. Auch hier sind es deshalb Einzelfallentscheidungen, die aber unbedingt Fachleute treffen müssen. Unbekannte Wirkstoffe zu verwenden, fordert den verordnenden Ärztinnen und Ärzten zudem viel ab und ist fehleranfälliger, als auf etablierte Wirkstoffe zurückzugreifen.

  • Vom Mangel ebenfalls betroffen sind wie bereits im vergangenen Jahr Fieber- und Schmerzmedikamente in kindgerechter Darreichungsform.
  • Inder- und Jugendärzte warnten in einem offenen Brief vor einer Versorgungsnot mit Kinderarzneimitteln,
  • Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach versucht, mit einem Gesetz für Medikamentensicherheit gegenzusteuern, das es Herstellern erlaubt, höhere Abgabepreise für Kindermedikamente zu verlangen.

Kann dieser Vorstoß die angespannte Liefersituation entlasten? Das betrifft den dritten Faktor, den ich erläutert habe. Die Fabriken produzieren ja nicht weniger, es gibt keinen globalen Engpass. Sie verkaufen die Arzneistoffe allerdings an Abnehmer, die mehr zahlen.

Das kann man kritisieren, aber für den Produzenten ist das betriebswirtschaftlich ein logischer Schritt. Deshalb kann so ein Gesetz schon greifen. Was wir allerdings auch beobachten, ist, dass die Berichterstattung über diesen nationalen Mangel an bestimmten Medikamenten reflexartige Hamsterkäufe auslöst.

Das kennen wir aus der Corona-Pandemie, als auf einmal Nudeln, Hefe und Klopapier in den Supermarktregalen fehlten. Ich kann die Reaktion der Eltern nachvollziehen, die sich in Apotheken mit Fiebersaft eindecken, weil sie gehört haben, dass es bald keinen mehr gibt.

  1. Doch es verschärft natürlich erst recht die Lage.
  2. Deswegen dürfen wir erst gar nicht in diese Situation kommen, sagen zu müssen, dass diese Medikamente knapp werden.
  3. Wie kann das langfristig gelingen? Die Digitalisierung und Vernetzung im Gesundheitswesen muss dringend Fahrt aufnehmen.
  4. Ich kann mir zwar in einem Wiesbadener Elektronikfachgeschäft sagen lassen, ob mein ausverkauftes Wunschprodukt in Mainz oder Frankfurt vorrätig ist.

Wenn aber der Fiebersaft in meiner Hausapotheke fehlt, muss ich zur nächsten fahren und zur nächsten. Digitale Verteilersysteme für Medikamente können helfen. Zudem müssten Hersteller vertraglich verpflichtet werden, Lieferzusagen einzuhalten. Liefertreue könnte Teil der Preisverhandlungen werden, etwas, was die Gesetzgeber und Behörden mitdenken müssen.

Und wir brauchen Medikamentenlager, die notfalls von staatlichen Institutionen überwacht werden. Nur dann haben wir im Notfall Ersatz, wenn eine Lieferkette reißt oder ein Produzent wegbricht. »Vor allem aber dürfen wir uns nicht an diesen Zustand des Improvisierens gewöhnen« Außerdem sollte ein Teil der Medikamentenproduktion unbedingt wieder in die EU zurückverlagert werden, auch um geopolitische Abhängigkeiten zu mindern.

Das kostet definitiv mehr, aber das ist der Preis für Unabhängigkeit. Vor allem jedoch dürfen wir uns nicht an diesen Zustand des Improvisierens gewöhnen. Es sind lauter kleine Rettungsaktionen: Einzelne Medikamente werden hektisch aus Rabattverträgen herausgenommen, für andere entfällt die Preisbindung.

Damit löschen wir nur einzelne Feuerherde, nicht den Flächenbrand. Der Medikamentenmangel in Deutschland ist ein systemisches Problem, das es schon lange gibt und das jetzt angegangen werden muss. Hier muss sich die Politik an Ergebnissen messen lassen und nicht an Absichtsbekundungen. Das ist ein klarer Auftrag, gegebenenfalls mit Kompromissen.

Denn primäres Ziel darf nicht sein, irgendwelche formalen Anforderungen zu erfüllen oder Partikularinteressen zu bedienen. Das Ziel muss sein, die gesamte Bevölkerung zuverlässig mit Medikamenten zu versorgen.

Was tut Lauterbach gegen medikamentenmangel?

Künftig sollen Preisaufschläge von 50 Prozent auf bestimmte Medikamente möglich sein. Dadurch sollen gesetzliche Krankenkassen zu teureren Einkäufen berechtigt werden. Doch es gibt Kritik. Medikamente Als Grund für die Versorgungsprobleme gilt unter anderem, dass die Krankenkassen bisher beim Kauf patentfreier Generika darauf dringen, den billigsten Anbieter auszuwählen. (Foto: dpa) Berlin Gesundheitsminister Karl Lauterbach will den Medikamentenmangel mit einer teilweisen Aushebelung von Festbeträgen und der Reform von Rabattverträgen beseitigen.

Ünftig sollen Preisaufschläge von 50 Prozent auf bestimmte Medikamente möglich sein, geht aus einem am Dienstag verbreiteten Referenten-Entwurf des Gesundheitsministeriums hervor. Zudem ist ein Frühwarnsystem zur Erkennung von drohenden Lieferengpässen geplant. Pharmaverbände kritisierten umgehend die Vorhaben.

Lauterbach hatte im Dezember Eckpunkte vorgelegt, wie der Medikamentenmangel vor allem für Kinder behoben werden kann. Die Arbeiten am Gesetzentwurf hatten sich aber innerhalb der Ampel-Koalition nach Angaben aus Regierungskreisen wegen des Widerstands etwa des FDP-geführten Justizministeriums verzögert.

Warum ist Paracetamol ausverkauft?

Einen infektfreien Sommer erleben derzeit nur wenige Familien mit Kindern. Das Robert Koch-Institut (RKI) registriert für diese Jahreszeit mehr akute Atemwegserkrankungen als in den Jahren vor der Corona-Pandemie. In der ersten Juliwoche wurden dem RKI 1,2 Millionen Arztbesuche gemeldet.

  1. Insgesamt geht man von 4,5 Millionen Krankheitsfällen aus.
  2. Während bei Erwachsenen hauptsächlich das Corona-Virus ursächlich sein soll, stecken hingegen bei Kindern vor allem Atemwegserreger wie Parainfluenza-, Rhino- und zum Teil auch Influenzaviren dahinter – so das Ergebnis stichprobenartiger virologischer Untersuchungen.

Um die Symptomatik wie Fieber und Gliederschmerzen zu behandeln, verordnen Kinderärzte Suspensionen und Suppositorien mit den Wirkstoffen Paracetamol und Ibuprofen. Diese Präparate sind aktuell jedoch Mangelware. Aus vielen Apotheken werden Lieferengpässe gemeldet.

Als Ursache gilt der Marktrückzug eines Unternehmens. Wie das „Arznei-Telegramm» bereits Mitte April 2022 berichtete, stellte 1A-Pharma aufgrund gestiegener Rohstoffpreise die Produktion ihres Paracetamol-Saftes ein, Gleichzeitig erklärte Ratiopharm in einem Schreiben, ab Mai 2022 wieder liefern zu können.

Der Branchenverband Pro Generika bestätigte, dass mit dem Marktrückgang von 1A-Pharma nur noch Ratiopharm als einziger Hersteller „die Hauptlast der Versorgung» stemme. Allein in den letzten zwölf Monaten sei, laut Branchenverbrand, der Wirkstoff Paracetamol um 70 Prozent teurer geworden.

  1. Die Apotheken und Praxen konnten die angespannte Situation bislang dadurch lösen, dass Kinder alternativ mit Paracetamol-Suppositorien oder Ibuprofen-Suspensionen versorgt wurden.
  2. Daneben existiert noch der Paracetamol-haltige Ben-u-ron-Saft von Bene Arzneimittel, dessen Preis allerdings mit 5,25 Euro deutlich über dem Festbetrag liegt und zu Mehrkosten für die Patienten führt.

Darüber hinaus wäre es Apotheken möglich, NRF-Rezepturen herzustellen. Dabei wird Paracetamol als fein gepulverte Rezeptursubstanz oder Fertigarzneimittel-Tabletten (für Erwachsene) in eine Suspensionsgrundlage eingearbeitet.

See also:  Ibuprofen Saft Wie Oft?

Was ist vergleichbar mit Ibuprofen?

Weitere gängige Schmerzmittel – Neben Ibuprofen und Acetylsalicylsäure gehören auch Naproxen und Diclofenac (Voltaren) zu den NSAR und sind ebenfalls wirksam gegen Schmerzen, Entzündungen und Fieber. Manche Schmerzmittelpräparate bestehen aus einer Kombination verschiedener Wirkstoffe,

  1. Gängig sind die Kombinationen von Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein oder Ibuprofen plus Koffein.
  2. Einigen Schmerzpatienten helfen solche Kombinationspräparate besonders gut, beispielsweise gegen Kopfschmerzen und Migräne.
  3. Wir empfehlen Ihnen, sich den Rat Ihres Hausarztes einzuholen, wenn Sie unsicher sind, ob Sie Kombipräparate einnehmen sollen.

Triptane sind besondere Schmerzmittel zur Behandlung der Migräne, Sie sind gut wirksam bei Migräne, lindern aber nicht „normale» Kopfschmerzen, wie beispielsweise Spannungskopfschmerzen. In der Apotheke sind Naratriptan, Sumatriptan und Almotriptan in kleinen Packungsgrößen von 2 Stück ohne Rezept erhältlich.

Was ersetzt Ibuprofen?

Medikamentöse Alternativen – Im Falle von Schmerzen, Entzündungen oder Fieber kann Ibuprofen durch andere NSAR ersetzt werden. Das sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure („Aspirin») oder Diclofenac. Auch Paracetamol wird häufig für die Behandlung von Schmerzen und Fieber verwendet und ist außerdem die erste Behandlungswahl während einer Schwangerschaft.

Im Gegensatz zu den NSAR wirkt Paracetamol jedoch nicht entzündungshemmend 3, Sind die Schmerzen zu stark, müssen auch stärkere Schmerzmittel verwendet werden. Diese Arzneimittel sind allerdings nicht frei verkäuflich, sodass ihre Einnahme immer mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden muss.

Auch bei Migräne reichen Arzneimittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure nicht unbedingt aus. Es gibt aber eine Reihe weiterer Medikamente zur Migräneprophylaxe oder Migräne Medikamente für den Akutfall, wie Triptane und CGRP-Antikörper 3,

Was kann man anstelle von Ibuprofen nehmen?

Experten-Antwort: – Eine Alternative zu Ibuprofen, das Sie in einer relativ hohen Dosierung einnehmen, wäre Naproxen, Denn unter den sogenannten NSAR (nichtsteroidalen Antirheumatika), zu denen auch Ibuprofen gehört, hat Naproxen nach allen bislang verfügbaren Studien die geringsten unerwünschten Wirkungen auf das Herz.

Allerdings sollte man auch Naproxen vorsichtig anwenden. Denn zum einen kann Naproxen ebenfalls das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, wenn auch nicht so stark wie andere Vertreter dieser Substanzklasse, und zum anderen erhöht Naproxen die Wahrscheinlichkeit für Blutungen im Magen-Darm-Trakt mehr als Ibuprofen.

Hinweis: Das Blutungsrisiko lässt sich in vielen Fällen durch Einnahme eines Protonenpumpenhemmers wie etwa Pantoprazol deutlich verringern, worauf Sie Ihren Arzt durchaus ansprechen können.

  • Über 200 unabhängige Herzexperten
  • Experten in Telefonsprechstunde fragen
  • Medizinische Fragen online stellen
  • Nicht-Mitglieder können Fragen auch per E-Mail stellen

Warum gibt es kein Fiebersaft mehr?

Die Nachfrage ist signifikant gestiegen – Schon im Sommer habe ein großer Hersteller die Winterbevorratung abgesagt, woraufhin sich Apotheken stark eingedeckt und die Verfügbarkeit am Markt reduziert hätten. Die Behörde beobachtet eine „regionale Ungleichverteilung und Bevorratung mit den verfügbaren Beständen», weshalb es nicht nur einen steigenden Bedarf, sondern auch eine „Verteilproblematik» gebe.

Um regionalen Unterversorgungen möglichst vorzubeugen, sollten keine Vorräte jenseits eines Wochenbedarfs angelegt werden. Wie es nun heißt, liegt der Mangel an Paracetamol vor allem an Streiks in Frankreich. Andreas Burkhardt, Deutschlandchef des Generikaherstellers Teva mit seiner bekannten Marke Ratiopharm, erläuterte im Gespräch mit der F.A.Z.

die Gründe für die Mangellage. Die Nachfrage nach Fiebersäften hänge von der Erkältungssaison ab und sei 2021 sehr niedrig gewesen, aufgrund der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. „Daraufhin haben sich dieses Jahr anscheinend besonders viele Kinder erkältet, die Nachfrage ist signifikant angestiegen: Wir haben schon jetzt mehr als das Doppelte der Menge verkauft, die im Vorjahr nachgefragt wurde.»

Welches Land stellt Antibiotika her?

Indische Hersteller bestreiten Verantwortung – Die meisten indischen Hersteller reagierten auch auf mehrfache schriftliche Anfragen nicht. Nur wenigen Firmen haben geantwortet, unter anderem MSN, ein wichtiger Zulieferer deutscher Pharmaunternehmen. In Proben, die in unmittelbarer Nähe zu zwei der Fabriken des Unternehmens genommen wurden, fanden die Forscher hohe Konzentrationen an Medikamenten.

MSN bestreitet dafür verantwortlich zu sein und zweifelt die Untersuchungsergebnisse an. Auch andere Firmen teilten mit, es sei nicht möglich, dass die gefundenen Substanzen aus ihren Werken stammen könnten, sie leiteten keine Abwässer in die Umwelt. Der Verband der indischen Arzneimittelhersteller gab, offenbar als Reaktion auf Kritik an den Produktionsbedingungen, eine eigene Studie in Auftrag.

Zwei Tage vor der Veröffentlichung der Untersuchung von NDR, WDR und «SZ» präsentierte der beauftragte Wissenschaftler von der Universität Hyderabad erste, vorläufige Ergebnisse. Demnach gibt es einige Kilometer vom Industriegebiet entfernt genauso viele resistente Bakterien wie direkt an den Pharmafabriken.

  • Das berichten indische Medien.
  • Allerdings suchte der Forscher offenbar nicht nach Antibiotika in der Umwelt.
  • Die endgültigen Ergebnisse seiner Studie sollen erst in ein bis zwei Jahren veröffentlicht werden.
  • Laut Medienberichten sagte ein Vertreter der Pharmaindustrie, internationale Berichte über resistente Bakterien seien eine gezielte Kampagne gegen die indischen Hersteller.

Hyderabad selbst preist sich als «Pharma-Hauptstadt Indiens» mit mehr als 200 Produzenten und wirbt in einem Video für den Standort mit dem Slogan «Minimum Inspection, Maximum Facilitation» – «Minimale Kontrolle, Maximale Förderung». Die komplette Dokumentation «Der unsichtbare Feind – Tödliche Supererreger aus Pharmafabriken» sehen Sie hier,

Werden in Deutschland noch Medikamente hergestellt?

Gnadenloser Wettbewerb – Der Inhalt vieler Medikamente in deutschen Apotheken kommt mittlerweile aus Indien und China und oft sogar aus ein und demselben Werk. Die asiatischen Fabriken sind quasi die Zulieferer der großen, bekannten Unternehmen wie Hexal, ratiopharm oder Stada.

  1. Sie verkaufen unter ihrem jeweiligen Markennamen Medikamente, die oft denselben Wirkstoff aus derselben Fabrik enthalten.
  2. Bei Antibiotika etwa werden in China oft die Grundsubstanzen hergestellt, in Indien weiterverarbeitet und dann in die gesamte Welt exportiert.
  3. In Deutschland werden die Mittel dann am Schluss kontrolliert.

Der entscheidende Grund für dieses Vorgehen ist der Preis, Der globale Verdrängungswettbewerb ist gnadenlos. Wer am billigsten anbietet, gewinnt. Alle anderen gehen leer aus – etwa beim Abschluss von Verträgen mit Kliniken oder Krankenkassen. Denn diese sind dazu angehalten, auf die «Wirtschaftlichkeit» zu achten, also günstig einzukaufen.

Warum ist Insulin nicht lieferbar?

Bis mindestens Juli 2023 kein Insuman lieferbar

Bis mindestens Juli 2023,

Schmerzmittel, Antibiotika, Digoxin – in Apotheken sind derzeit zahlreiche Arzneimittel knapp. Nun gibt es auch bei der Insuman-Reihe von Sanofi-Aventis Lieferschwierigkeiten. Wann ist neue Ware zu erwarten und welche Empfehlungen gibt es für die Umstellung betroffener Patient:innen, die auf Insulin angewiesen sind? Bereits kurz nach Weihnachten hatte Sanofi über die Lieferengpassliste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen vorübergehenden Lieferengpass bei Fertigpens und Patronen der Produkte Insuman Rapid, Insuman Basal und Insuman Comb 25 bekannt gegeben.

Nun weist auch die AMK (Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker) nochmal alle Apotheker:innen auf den Mangel hin. Verursacht haben den Lieferengpass offenbar Probleme bei der Abfüllung, Montage und Verpackung. Unter anderem seien Pens nicht wie erwartet geliefert worden und es habe in einer Abfüllanlage mehrere Vorfälle gegeben.

Das soll zu einer vorübergehend kritischen globalen Versorgungslage geführt haben, wie es in einem Informationsschreiben von Sanofi heißt. Für den deutschen Markt hat Sanofi bereits ein Ende des Lieferengpasses in Aussicht gestellt: Insuman Basal soll ab Juli, Insuman Comb 25 ab August und Insuman Rapid ab November 2023 wieder verfügbar sein.

Aber was tun in den Monaten dazwischen? Für neu einzustellende Diabetiker gilt: zum aktuellen Zeitpunkt keine Therapie mit einem Insuman-Präparat beginnen. Für bereits auf Insuman eingestellte Patient:innen gibt Sanofi folgende Empfehlungen: Wenn möglich, sollen alternative, rekombinante Humaninsulinpräparate ausgewählt werden.

Gelingt dies, so sei auch keine Dosisanpassung erforderlich. Einige mögliche Alternativen für das Normalinsulin Insuman Rapid, das NPH-Insulin Insuman Basal und das Mischinsulin Insuman Comb 25 sind unter anderem beim aufgeführt. Falls eine Umstellung auf andere rekombinante Humaninsuline nicht möglich ist, wird die Umstellung auf ein Insulinanalogon erforderlich.

Als Ersatz für Insuman Rapid kommen Präparate mit den kurzwirksamen Analoga Insulin glulisin, aspart oder lispro infrage.Von Insuman Basal kann auf Insulin glargin, detemir oder degludec gewechselt werden.Für den Wechsel von Insuman Comb 25 wären Mischungen aus Insulin lispro mit Insulin lispro-Protamin oder aus Insulin aspart mit Insulin aspart-Protamin denkbar.

Die Umstellung sollte in jedem Fall durch medizinisches Fachpersonal erfolgen und regelmäßig kontrolliert werden. Diesen Artikel teilen: : Bis mindestens Juli 2023 kein Insuman lieferbar